Nennt mich einfach Karl. 

 

Ich bin eine von den Khayifs, wie meine Eltern auch. 

Und wenn auch bei Ausstellungen oft mein feminines Gesicht gelobt wird – also ehrlich, am liebsten renne ich los wie ein Kerl – äh – Karl. 

Ob ich dennoch verschmust bin, lieb und anschmiegsam? Folgsam und diszipliniert bei Ausstellungen? Sicher doch, ich bin schließlich eine Khayif und würde meinen eleganten und kultivierten Eltern nie Kummer bereiten. Aber: Gebt mir ein Motorrad, werft mir diesen Büschel Plastikstreifen vor die Füße und ich ..., ach, es ist halt Rock’ n Roll. Versteht ihr?

 

Aufgewachsen bin ich im dörflichen französischen Grenzland zur Pfalz. Aufm Dorf und dann auch noch Schecke! Schlechte Aussichten. Und dann kam diese streng blickende Ganesha el Tazi-mo mit den beiden aus Darmstadt und sie haben mich und meine Scheckenschwester durch den Matsch mehrerer Wiesen gezerrt und ich habe beschlossen: Mit denen gehst du! 

Und bin von der Seite meiner Mama weg zur Tür, um die Abfahrt nicht zu verpassen. So war das. Und diese Ganesha hat mich weiter streng gemustert, bis wir zum ersten Mal über eine Wiese rasen konnten. Und da muss sie wohl beschlossen haben, an mich all die Tricks und Kniffe, die sie von Lajos el Riad erlernt hat, die der wiederum seinem Herren und Meister Omar Raqqas el Ghazal verdankte, weiterzugeben. Eine harte Schule. Sie tanzte auf einer Briefmarke im Gras und ich landete irgendwo daneben im Dreck.

 

So entstehen Freundschaften. 

Und mit Freunden zu laufen ist das Schönste.

 

 

 

Bild: E. Mammen, www.hundephoto.de